Ein Weg zum Frieden
Ein Geburtstagskonzert für Pēteris Vasks
München, 17. April 2026, Michael Bordt SJ

Pēteris Vasks, sicherlich der bekannteste Komponist Lettlands, konnte am 16. April seinen 80. Geburtstag feiern. Es war eine Ehre für München, dass er tags darauf bei einem Konzert der Reihe „paradisi gloria“ des Bayerischen Rundfunkorchesters in der Herz-Jesu Kirche persönlich zu Gast war. Aufgeführt wurden bei diesem Geburtstagskonzert natürlich seine Werke sowie ein kurzes „Da pacem Domine“ seines estländischen Kollegen und Freundes Arvo Pärt.

Vasks Musik speist sich aus drei Quellen: Einer großen Liebe zur Natur und zur Einsamkeit, der Erfahrung brutaler russischer Diktatur und Unterdrückung in seinem Heimatland und einer tiefen Religiosität – sein Vater war baptistischer Pastor. Seine Musik ist programmatisch: Sie möchte Trost und Schönheit vermitteln – auf dem Hintergrund von Angst, Panik und Tod. „Ich zeige einen Weg zum Licht“, so hat er in einem der zwei kurzen Gespräche, die die Musik unterbrochen haben, über seine Musik gesagt.

Seine Musik ist durchweg tonal konzipiert, und das gilt besonders für seine Chormusik, die bei dem Konzert in München im Mittelpunkt stand. Große, elegische Bögen, die sich zu Höhepunkten aufbauen und wieder zurückfallen, voll von Leidenschaft und Kraft, charakterisieren sein „Da pacem Domine“ und die große Missa, die in der Fassung für Chor und Streichorchester den Abschluss des Konzertes bildete. Der Chor des Bayerischen Rundfunks war dabei einfach prächtig anzuhören: Welch ein Zusammenklang der Stimmen, welche Intensität! Allerdings: Die Intensität war am Ende dann doch etwas viel. Ivan Repušić, der die Leitung des Konzerts innehatte, animierte den Chor zu fortwährendem Fortissimo, und nur in sehr vereinzelten Momenten wie zu Beginn eines beinahe heiteren Sanctus kam etwas Ruhe und Helligkeit in die Musik. Mit vier Kontrabässen und fünf Celli war das Orchester auch kräftig besetzt – der Klang war glühend, fiebrig, aber der Effekt nutzte sich dann doch nach einiger Zeit ab. Vielleicht war auch die Kirche zu klein für diese gewaltigen Klangmassen – aber darauf hätte Repušić Rücksicht nehmen müssen.

Vielleicht liegt es auch an der Auswahl der Stücke, die dann doch recht ähnlich klangen. Allerdings mit einer Ausnahme, denn nicht alle Werke waren für Chor und Orchester komponiert: Stanko Madić spielte das letzte Drittel des Violinkonzerts „Fernes Licht“, beginnend mit der dritten Kadenz – und bei diesem Stück ist die Tonsprache dann doch deutlich anders. Zwar ist auch das Violinkonzert tonal gehalten, aber das Konzert selbst ist vielschichtiger, komplexer und enthält, anders als die Chorstücke, längere atonale Passagen, die das Chaos und das Leid eindrücklich zum Ausdruck bringen. Technisch ist das Konzert ausgesprochen anspruchsvoll, und es war bewundernswürdig, mit welcher Souveränität Madić die Partie beherrschte. Allerdings fragte man sich etwas konsterniert, wer denn die Entscheidung getroffen hat, nicht das ganze Violinkonzert, sondern nur das ungefähr letzte Drittel spielen zu lassen. „Aus Zeitgründen!“, so wurde es versucht dem Publikum zu erklären, aber man stelle sich einmal vor, so eine Entscheidung würde mit einem Violinkonzert von Mozart oder Beethoven getroffen. Ich fand es respektlos gegenüber dem Komponisten, dem Solisten (der das Werk auf CD eingespielt hat und also bestens kennt) und eigentlich ein absolutes No-go gegenüber dem Publikum, das gekommen ist, um Vasks und sein Werk zu feiern.