Kein Zauber
Mozarts „Zauberflöte“ in ärgerlich schwacher Besetzung
München, 27. Dezember 2025, Christian Gohlke

Mozarts „Zauberflöte“ an der Bayerischen Staatsoper zu erleben, das kann ein großes Glück sein. Denn die Inszenierung von August Everding, die im Oktober 1978 Premiere hatte, erzählt die Geschichte geradeheraus, unterhaltsam und anrührend, die komischen Elemente der Oper ebenso berücksichtigend wie ihre ernsten. Hinzu kommt das phantastisch-schöne Bühnenbild von Jürgen Rose, das in all den Jahrzehnten nichts von seiner Schönheit verloren hat: Sternenhimmel und Tempel, anmutige Gärten und finstere Felsenlandschaften gibt es hier zu bestaunen – heute eine echte Rarität auf der Opernbühne!

Aber so schön das alles ist – manchmal wird die Freude darüber, dass diese glückliche Inszenierung wieder auf dem Spielplan steht, durch eine mittelmäßige, schwache Besetzung getrübt. Und so war es jetzt. Da ist zunächst einmal Christopher Moulds am Pult des sehr klein besetzten Bayerischen Staatsorchesters, dem es kaum gelingt, die Spannung dieser Musik, ihre sprechende Gestik, ihre Atmosphäre zu entfalten. Allzu dünn und gleichförmig klingt das bei ihm, ohne Wärme, ohne Charme.

Auch die Sänger waren alles andere als glanzvoll. Am ehesten überzeugte Benjamin Bruns als Tamino. Zwar ist sein Tenor für diese Partie schon etwas zu heldisch, aber die Stimme ist klar, sicher geführt und differenziert. Jessica Pratt hingegen bleibt also Königin der Nacht zu gleichförmig im Ausdruck und allzu unsauber in der Intonation. Erika Baikoff, einst Mitglied im Opernstudio zu Lyon und seit dieser Spielzeit Ensemblemitglied in München, kann mit ihrem vibratoreichen, zur Schärfe neigenden Sopran als Pamina nicht überzeugen; hier wäre doch ein lyrischer, jugendlicher Ton weit passender. Christof Fischesser hat als Sarastro immerhin den Vorteil der klaren Artikulation, wenn ihm auch für diese Partie die nötige, mühelose Tiefe und Bassesgewalt fehlen. Dass der Papageno von Vitor Bispo nur gebrochen deutsch spricht, macht die Dialoge mühsam – die Pointen sitzen nicht und wirken angestrengt. Da auch die wichtigeren Nebenrollen (von den verlässlichen Tölzer Sängerknaben einmal abgesehen) nur schwach besetzt sind, fragt man sich, was das künstlerische Betriebsbüro sich bei einer solchen Rollenvergabe eigentlich gedacht hat. Für die Bayerische Staatsoper, die zu den führenden Opernhäusern der Welt gerechnet werden möchte, ist ein solches musikalisches Niveau einfach zu gering, auch in einer gewöhnlichen Repertoirevorstellung.